Like this, eat that: Warum wir essen, was wir in den Medien sehen

von Felicitas Vach

Der Klimawandel und seine daraus entstehenden Folgen werden momentan intensiv diskutiert. Und unsere Ernährung spielt für die zukünftige Entwicklung eine nicht unerhebliche Rolle. Schon bald werden etwa 10 Billionen Menschen auf der Erde leben (UN World Population Prospects, 2019), die alle ernährt werden müssen. Besonders der Bedarf – oder eher der Wunsch – nach Fleischprodukten wird zusammen mit der Population massiv wachsen. Selbst wenn der Fleischkonsum in Wohlstandsländern eher gleichbleibt, wird er in Entwicklungsländern, die immer wohlhabender werden, weiterhin ansteigen (Ritchie & Roser, 2017). Dabei spielt auch die Berichterstattung der Medien eine Rolle.

Klimasünder Fleischprodukte

Die Fleischproduktion ist einer der wichtigsten Faktoren für den anthropogen Klimawandel. Die durch Viehzucht und -haltung bedingten Land- und Wassernutzungen, sowie die dadurch entstehenden CO2 Emissionen, sind schon lange nicht mehr nachhaltig für die Umwelt. Die Ernährungsweise macht etwa 1,74 Tonnen von insgesamt 11,61 Tonnen des persönlichen CO2 Ausstoß eines deutschen Bürgers aus. Das ist zwar ein verhältnismäßig geringer Anteil, aber dafür ein Aspekt, an dem sich relativ leicht sehr viel verändern lässt. Würden alle Deutschen auf eine vegetarische – noch nicht mal vollkommen vegane – Ernährung umschwenken, könnten pro Jahr bereits 37 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden.

Wenn du mehr über die CO2-Emissionen deiner alltäglichen Lebensmittel erfahren willst, schau auch mal bei diesem Artikel vorbei.

Verzerrtes Medienbild über Ernährung

Ernährung ist jedoch deutlich mehr, als die rein biologisch begründete Aufnahme von Nährstoffen. Die über Medien vermittelten gesellschaftlichen Normen zeichnen beim Rezipienten ein Vorstellungsbild von einem normalen oder auch idealen Körperbild. Außerdem wird durch die Thematisierung von Traditionen und Bräuchen, wie üblichen Festtagsgerichten, dem Essen eine zusätzliche kulturelle Dimension zugeschrieben (Paulitz & Winter, 2017). Die von den Medien verbreiteten Bilder von Ernährung können allerdings durch Framing verzerrt sein und entsprechen nicht unbedingt dem Realbild. Eine Studie von Loss, Lindacher und Curbach (2014) fand beispielsweise heraus, dass 70% der Beiträge auf Facebook, die sich um Ernährung drehen, ein ungesundes Risikoverhalten und ungesunde Gerichte zeigen. Allerdings müssen diese Zahlen differenziert betrachtet werden, da diese Posts eher kulinarische Erlebnisse dokumentieren, anstatt alltägliches Essen abzubilden.

Studien haben gezeigt, dass soziale Interaktionen mit anderen Menschen beeinflussen, was und wie viel wir essen – beispielsweise wählen Probanden in einem Experiment eher kleinere Portionen, wenn sie mit schlankeren Mitmenschen essen gehen (McFerran, Dahl, Fitzsimons, & Morales, 2010). Die Übertragung auf soziale Netzwerke und die Inhalte von Food-Bloggern, die dort angeschaut werden, ist denkbar. Von einem Einfluss auf die Rezipienten ist definitiv auszugehen; bisher wurde aber dessen Stärke und genaue Wirkungsweise noch kaum in Rezeptionsstudien untersucht (Rössler, Lücke, Linzmaier, Steinhilper, & Willhöft, 2006).

Vorbilder aus den Medien

Das Abschauen von Verhaltensweisen von Vorbildern aus der Medienwelt ist seit Bandura (1977) auch als sozial-kognitive Lerntheorie bekannt. Frühere Studien haben festgestellt, dass vor allem Zeitschriften einen Einfluss auf das Essverhalten von Frauen haben (Harrison & Cantor, 1997), weshalb sich die Forschung zum Einfluss von Medien auf das Essverhalten bisher auf textuelle Printmedien konzentriert hat. Mittlerweile wird jedoch ein Großteil der Informationen online rezipiert (Mangold, Vogelgesang & Scharkow, 2017), sodass die Wirkung von Online-Nachrichten genauer untersucht werden sollte.

Die Darstellung von Themen findet in Online-Medien allerdings nicht mehr nur in Texten statt. Das Internet ermöglicht multimediale Darstellungsweisen, Interaktion mit den Nutzern und Interkonnektivität zu weiteren Webseiten. Besonders visuelle Elemente spielen online eine wichtige Rolle, da sie die Aufmerksamkeit der Nutzer lenken. Dadurch erweitert sich auch das Untersuchungsfeld, wenn in Analysen nach Framing in Online Medieninhalten gesucht wird. Medienkommunikation findet online niemals isoliert statt, „sondern immer in Kombination mit anderen Modi der Kommunikation wie geschriebener oder gesprochener Sprache, Musik, Geräuschen oder Design“ (Bucher, 2017, S. 2). Es stellt sich für künftige Analysen die Herausforderung, verbales und visuelles Framing für die holistische Betrachtung von Online Inhalten zusammenzuführen.

Um besser zu verstehen warum Konsumenten und Medienrezipienten welche Ernährungsentscheidungen für ihren Alltag treffen, spielt also die Art und Weise, wie Medien das Thema Ernährung in ihren Beiträgen multimodal framen, eine entscheidende Rolle.

Was meine eigene Forschung im Rahmen meiner Masterarbeit zum Thema Framing von Ernährungsweisen in deutschen Online-Medien herausgefunden hat, beschreibe ich hier im nächsten Beitrag.

 

QUELLEN

Bandura, A. (1977). Self-efficacy: Toward a unifying theory of behavioral change. Psychological Review, 84(2), 191–215. https://doi.org/10.1037/0033-295X.84.2.191

Bucher, H.-J. (2017). Multimodalität als Herausforderung für die Visuelle Kommunikationsforschung. In K. Lobinger (Hrsg.), Handbuch Visuelle Kommunikationsforschung(S. 1–28). Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-06738-0_31-2

CO2 Rechner: https://uba.co2-rechner.de/de_DE/food#panel-calc

Das steckt hinter einem Kilogramm Rindfleisch. (2017, Februar 10). Albert Schweitzer Stiftung. https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/1-kg-rindfleisch

Harrison, K., & Cantor, J. (1997). The Relationship Between Media Consumption and Eating Disorders. Journal of Communication, 47(1), 40–67. https://doi.org/10.1111/j.1460-2466.1997.tb02692.x

Loss, J., Lindacher, V., & Curbach, J. (2014). Do Social Networking Sites Enhance the Attractiveness of Risky Health Behavior? Impression Management in Adolescents’ Communication on Facebook and its Ethical Implications. Public Health Ethics,7(1), 5–16. https://doi.org/10.1093/phe/pht028

Mangold, F., Vogelgesang, J., & Scharkow, M. (2017). Nachrichtennutzung in Deutschland. Eine nutzerzentrierte Repertoireanalyse. Medien & Kommunikationswissenschaft, 65(4), 704–723. https://doi.org/10.5771/1615-634X-2017-4-704

McFerran, B., Dahl, D. W., Fitzsimons, G. J., & Morales, A. C. (2010). I’ll Have What She’s Having: Effects of Social Influence and Body Type on the Food Choices of Others. Journal of Consumer Research, 36(6), 915–929. https://doi.org/10.1086/644611

Merlot, J. (2019). Was Fleischverzicht für den Klimaschutz bringt. Spiegel.de. https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/berechnung-zum-klimaeffekt-was-fleischverzicht-fuer-den-klimaschutz-bringt-a-1280923.html

Paulitz, T., & Winter, M. (2017). Ernährung und (vergeschlechtlichte) Körper diesseits dichotomer Kategorien Theoretische Sondierungen zur Untersuchung des »Stoffwechsels« von Gesellschaft und Natur. Leviathan,45(3), 381–403. https://doi.org/10.5771/0340-0425-2017-3-381

Ritchie, H., & Roser, M. (2017). Meat and Dairy Production. Our World in Data. https://ourworldindata.org/meat-production

Rössler, P., Lücke, S., Linzmaier, V., Steinhilper, L., & Willhöft, C. (2006). Ernährung im Fernsehen: Darstellung und Wirkung: Eine empirische Studie. Fischer.

UN World Population Prospects. (2019, November 25). World Population Prospects. United Nations Population Division. https://population.un.org/wpp/Graphs/Probabilistic/POP/TOT/900

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